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Südostasien aus der Naturbengelperspektive (Teil 1/2)

Aktualisiert: Juli 12

Eine etwas andere Sicht auf das Urlaubsparadies

Südostasien. Wer kennt sie nicht, die Bilder und Erzählungen von traumhaften Stränden, wilden Regenwäldern und exotischen Tieren. Unzählige Reiseberichte und Artikel preisen die 1346 besten Orte für dies und jenes an oder beschreiben unterschiedliche kulturelle Erfahrungen. Ich möchte hier zur Abwechslung aber mal eine etwas andere Perspektive einnehmen und meine eigenen Beobachtungen im Hinblick auf das Umweltbewusstsein der ansässigen Bevölkerung und des menschlichen Einflusses auf die Natur an einigen Beispielen teilen.

Fast 600 Millionen Menschen leben heute in den verschiedenen Ländern Südostasiens und die wirtschaftliche Entwicklung ist mitunter rasant. Leider geht auch hier der wachsende Wohlstand der Bevölkerung mit erheblichen Belastungen der Umwelt einher und es wird teilweise massiv in empfindliche Ökosysteme eingegriffen.

Ich habe von September 2019 bis Februar 2020 ein Semester in Malaysia studiert und konnte viele wunderbare Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Wie gesagt möchte ich hier den Fokus nicht auf kulturelle Aspekte, die unglaublich freundlichen Menschen oder die exquisite Küche legen, sondern meinen persönlichen Eindruck bezüglich des Umweltbewusstseins der dort lebenden Menschen schildern.



Beobachtetes Umweltbewusstsein

Es wird wohl nicht überraschen, wenn ich sage, dass das Bewusstsein für Umwelt und Naturschutz in Südostasien (noch) deutlich weniger ausgeprägt ist als in Europa. Auch wenn der allgemeine Wohlstand in den einzelnen Ländern wächst, stehen existentielle Fragen für die südostasiatische Bevölkerung noch deutlich stärker im Vordergrund, als für die meisten Europäer. Die Gespräche am Abend im Familienkreis drehen sich weniger um Nachhaltigkeit, Müllverringerung oder einen möglichst sauberen ökologischen Fußabdruck als darum, wie den eigenen Kindern ein Dach über dem Kopf finanziert werden kann.


Viele können sich schlichtweg den “Luxus” nicht erlauben, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen- kennen sie absolute Armut doch noch aus ihrer eigenen Generation. Ich glaube, dass unser hoher Lebensstandard und unsere existenzielle Grundsicherung über Jahrzehnte hinweg solche Gedanken erst in den Vordergrund rücken konnten. Man sollte Menschen in ärmeren Regionen dieser Welt die Chance lassen, ebenfalls diese Entwicklung zu durchlaufen. Wenn ich nicht weiß, wie ich meine Kinder diese Woche versorgen soll, wer kann es mir dann verübeln, dass ich keine Kapazitäten über habe, mich mit Umweltschutz und Themen über das Große und Ganze auseinanderzusetzen?


Ich habe die starke Hoffnung, dass Länder wie Malaysia, Indonesien oder Thailand in ihrem Umweltbewusstsein eine steilere Lernkurve zeigen, als wir sie hier in der westlichen Welt in unserer wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen 50 Jahre hingelegt haben. Es wäre wünschenswert, wenn Fehler die bei uns begangen wurden (und immer noch begangen werden) dort nicht wiederholt werden müssten und ein reger Wissensaustausch zwischen den Ländern und Kontinenten stattfinden würde.


Konkrete Beobachtungen

Doch bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Am besten beschreibe ich euch meine Eindrücke anhand ein paar konkreter Beobachtungen, die ich im Laufe der Monate gemacht habe. Wichtig ist mir dabei zu betonen, dass ich den handelnden Personen wirklich keine Bosheit oder Ignoranz unterstelle, sondern einfach glaube, dass ihnen die Konsequenzen ihres Verhalten nicht bewusst sind und sie es nie anders gelernt haben. Menschen handeln immer nach dem Stand ihres Bewusstseins und mit Sicherheit steckte hinter keiner Handlung eine schlechte Absicht. Trotzdem fiel es mir zugegebenermaßen in manchen Momenten schwer, nicht zu urteilen oder keine Wut zu empfinden.



So fuhr ich Ende Dezember mit einem Nachtzug durch Thailand (Schlafzüge, übrigens auch eine großartige Idee für Europa finde ich) und wollte mir abends, müde von der langen Fahrt, im Speisewagen etwas zu Essen kaufen. Es wurden ein paar einfache Gerichte und Getränke angeboten. Wonach ich jedoch vergeblich suchte, war ein Mülleimer. Wie ich beobachtete sah die Abfallentsorgung tatsächlich so aus, dass jegliche Getränkedosen und Verpackungen konsequent und mit voller Selbstverständlichkeit von der Bedienung aus dem Fenster geworfen wurden. Ich möchte nicht direkt von diesem einen beobachteten Fall auf die Allgemeinheit schließen, jedoch schien das Verhalten der Bedienung für alle Anwesenden das normalste der Welt zu sein.


Das nächste Beispiel stammt aus Malaysia. Das Land hat eine starke Essenskultur und anders als hier ist es eher unüblich, zu Hause zu essen, stattdessen kauft ein Großteil der Menschen ihre Mahlzeiten an einem der kleinen Straßenstände, die sich an jeder Ecke finden. Jegliches to go Essen wird dann dreifach in Plastiktüten gefüllt und auf die Hand mitgegeben. So war es selbstverständlich, selbst Suppen und vor allem Getränke (meist Milo Kakao von Nestlé, quasi das Nationalgetränk der Malayen) in einer Plastiktüten in die Hand gedrückt zu bekommen, die mit einem Gummi verschlossen und mit einem Plastikstrohhalm versehen wurde. Natürlich ziemlich praktisch, aber auch enorm vermüllend. Oft wurden Getränk oder Imbiss dann direkt auf der Weiterfahrt mit dem Roller getrunken und nicht selten die Vielzahl an Tüten danach selbstverständlich über die Schulter weggeworfen.

Was mir als Europäer nicht nur im Zug sondern auch anderswo extrem auffiel, war das generelle Fehlen von Mülleimern. Selbst auf dem Unigelände war es jedes Mal eine echte Herausforderung, Müll zu entsorgen und man schleppte Abfälle ewig mit sich herum. Kein Wunder also, dass viele dann gerne schnell mal den Busch oder Seitenrand als Müllkippe benutzen.


Generell ist die Müllentsorgung in Malaysia bzw, Südostasien ein großes Problem. Der Großteil der Abfälle wird einfach verbrannt, gerade in ländlichen Regionen gehört zu nahezu jedem Haushalt ein kleiner Platz hinter dem Haus, wo der Müll aus Mangel an Alternativen verbrannt wird. In der Nähe von Häfen und an populären Stränden ist das Meer so extrem zugemüllt, dass man sich teilweise keinen Meter schwimmend fortbewegen kann, ohne Plastik zu berühren.


Auf einer Schnorcheltour zu wirklich malerisch schönen Orten beobachteten wir Teilnehmer, die im 20 Minutentakt Zigarettenstummel zu den Fischen ins perfekt blaue Wasser warfen, mit denen sie kurz vorher noch schwimmen waren. Eine Situation, in der wir alle drei zugegebenermaßen Probleme hatten, uns zurückzuhalten.


In Indonesien besuchten wir einen im Dschungel gelegenen Wasserfall, den wir an diesem Tag exklusiv nur für uns hatten. Ein wirklich wunderschöner Ort. Nur hatten hier hinduistische Einheimische wohl kurze Zeit zuvor eine wahrscheinlich gut gemeinte Opfergabe in einer Bambusschale hinterlassen. Teil der Gabe: Einige in Plastik verpackte Mentos. Wie bereits gesagt, taten die Menschen dies wahrscheinlich in bester Absicht, es fehlt an dieser Stelle schlicht jegliches Bewusstsein für die Problematik.



Hier geht es zu Teil 2, in dem ich euch von unseren Erfahrungen in Borneo berichten möchte.




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07.06.2020 Naturbengel




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