Suche
  • Naturbengel

Südostasien aus der Naturbengelperspektive (Teil 2/2)

Aktualisiert: Juli 12

Nachdem ich euch in meinem ersten Teil (wenn noch nicht gelesen unbedingt hier nachholen) von meinen Erfahrungen in Westmalaysia, Thailand und Indonesien berichtet habe, möchte ich hier genauer auf unsere gemeinsame Zeit in Borneo eingehen, da die Insel für mich mit seiner Natur aber auch Problemen heraussticht. Borneo ist die größte Insel Asiens (mehr als zweimal so groß wie Deutschland) und unter den Länder Malaysia, Indonesien und Brunei aufgeteilt. Wir haben unsere Reise auf den Malaysischen Teil Sabah im Norde beschränkt.




Palmölplantagen auf Borneo

Nach meiner Unizeit in Malaysia kamen mich die beiden anderen Naturbengel in Asien besuchen und wir entschieden uns dazu, gemeinsam Borneo zu erkunden. Ein Paradies aus Regenwald, wilden Tieren, lebhaften Städten und traumhaften Stränden erwartete uns. Doch es zeigte sich uns auch eine Schattenseite der Insel:

Niemals endende Palmölplantagen. Palmöl findet sich als Pflanzenfett in Produkten wie Nutella, Margarine, Seifen, vielen Tütensuppen, Keksen, Waschmitteln, Kosmetika oder auch im Biosprit (e10). Laut Regenwald.org, einem gemeinnützigen Verein zum Schutz der Regenwälder, befindet sich mittlerweile in jedem zweiten Supermarktprodukt Palmöl.

Teilweise legten wir mit dem Bus wirklich hunderte Kilometer entlang der Plantagenanlagen zurück, Palmen soweit das Auge reichte. In den vergangenen 10 Jahren wurden auf Borneo mehr als sieben Millionen Hektar (ca. der Fläche Bayerns entsprechend) Regenwald gerodet und durch Palmölplantagen ersetzt. Was bleibt, sind in geometrischer Ordnung gepflanzte Palmenwüsten, die Tieren wie beispielsweise dem vom Aussterben bedrohten Orang-Utan oder dem Zwergelefanten keinerlei Lebensraum mehr bieten. Gerade mit den frischen Eindrücken aus dem noch intakten Regenwald mit seinen gigantischen Bäumen, exotischen Pflanzen und all seinen tierischen Bewohnern, war die Wirkung der niemals endenden Palmwüsten doch schon sehr bedrückend. Der Gedanke daran, dass hier bis vor 10-20 Jahren noch unberührter Urwald stand, stimmt einen nachdenklich. All dies ist normalerweise so fern. Im Supermarkt greift man so oft unbedacht nach Produkten, die bei ihrer Herstellung an der Verursachung dieser Bilder beteiligt sind. Hat man den Abdruck unseres und auch meines unbedachten Konsums jedoch einmal mit eigenen Augen gesehen, findet unausweichlich ein Umdenken statt. Das kann einfach nicht die Lösung sein.


Jedes Jahr werden neue Flächen gerodet, 2019 waren es wieder eine halbe Millionen Hektar. Die Rauchschwaden waren im September bis nach Penang (mein Studienort) im Westen Malaysias sichtbar (1700 km Luftlinie!).

Wir mussten tagelang Atemschutzmasken tragen, da die Luftverschmutzung ein extremes Niveau erreichte. Der Anblick des rötlichen, von Rauchschwaden verhangenem Himmel ließ da schon mal eine leichte Endzeitstimmung aufkommen. Dieses wochenlang andauernde Schauspiel findet jedes Jahr statt und wird als „haze-season“ (Dunst oder Nebelsaison) bezeichnet.


Fluch und Segen

Für die lokale Bevölkerung sind die Plantagen auf den ersten Blick ein Segen, da sie massenweise Arbeitsplätze schaffen und ein gesichertes Einkommen für tausende Familien garantieren. Auch wenn die Bezahlung extrem niedrig ist, lockt das Palmöl viele Arbeiter in die Nähe der Plantagen. Gerade in ländlicheren Regionen bieten sie oft die einzige Möglichkeit, an bezahlte Arbeit zu gelangen. Für Malaysia und Indonesien ist das Palmöl eine nicht mehr wegzudenkende Einkommensquelle und sorgt für steigenden Wohlstand in den Ländern. Dadurch ist die Haltung der Bevölkerung gegenüber den Plantagen verständlicherweise wenig kritisch, zumindest entsprach dies meinem Gefühl. Zusätzlich hilft die Palmölindustrie mit Imagekampagnen etwas nach. Folgendes Plakat hing beispielsweise massenhaft in einem Hafen in Malaysia, ziemlich zynisch, finde ich…




Wie könnte man Palmöl ersetzen?

Mögliche Alternativen zu Palmöl können Öle aus Sonnenblumen, Raps, Leinsamen oder Oliven aus Europa darstellen. Ein Punkt, der dabei jedoch bedacht werden muss und der mir persönlich bisher nicht wirklich bewusst war ist, dass selbst bei einem Verzicht auf Palmöl und dem Umstieg auf andere Pflanzenfette wie Kokosöl oder die oben genannten Alternativen das Problem nicht gelöst, sondern höchstens verlagert wird. Alle Pflanzenöle benötigen Anbaufläche und Palmöl bringt dabei den größten Ertrag pro Quadratmeter. Ein ziemliches Dilemma. Einziger Ausweg scheint ein bewussterer & reduzierter Konsum von Fertiggerichten, Süßwaren und der alltäglichen Snacks zu sein und auf wenig verarbeitete Lebensmittel zu setzen. Falls man auf seine Schokocreme einfach nicht verzichten kann, aber lieber Palmölfreie Produkte konsumieren möchte, stellt Utopia in diesem Nutella Ersatz Test jede Menge super leckere Alternativen vor😉

Vorschläge für weitere Palmölfreie Produkte bekommst du in diesem Artikel von Smarticular.


Lichtblicke

Ich habe zwar bisher hauptsächlich von einigen weniger positiven Beobachtungen berichtet, es gab aber immer wieder auch sehr erfreuliche Überraschungen.

So gab es an vielen Stränden immer wieder Aufrufe zu clean-ups und Initiativen, um auf die Vermüllung aufmerksam zu machen. Auch in einigen Vorlesungen wurde das Thema angeschnitten und auf die Problematik hingewiesen, wenn auch nur relativ oberflächlich. Aber immerhin ein Anfang und nur so kann langsam ein größeres Bewusstsein geschaffen werden. Was mich besonders überrascht und gefreut hat, war ein Unverpacktladen in Kota Kinabalu auf Borneo. Die Anfänge sind gemacht, ich bin sehr gespannt auf die Entwicklung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Was man nicht vergessen sollte, ist auch sich selber immer mal wieder den Spiegel vorzuhalten. Als einzelne Person und als Gesellschaft in Europa oder der westlichen Welt. Auch wir haben noch jede Menge zu tun und ich wünsche mir dass wir in Zukunft in Europa eine stärkere Vorreiterrolle einnehmen werden. Wenn man sich beispielsweise den Plastikmüll in Asien mal genauer anschaut, steht in den meisten Fällen der Name eines großen Europäischen oder Amerikanischen Konzerns drauf. Wir schwemmen den Scheiß (sorry) mit unseren Produkten erst dort hin. Es ist auch unsere Verantwortung hier mehr Druck zu machen, dass andere Lösungen gefunden werden und noch weitere Generationen unberührte Strände, exotische Tierwelten und Regenwälder vorfinden können, so wie ich und wir es dieses Jahr erleben durften.



14.06.2020 Naturbengel





42 Ansichten
This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now